Als Natur- oder besser gesagt Landschaftsfotografen lieben wir ja Wolken, wenn es um die klassische Landschaftsfotografie geht. Nichts ist langweiliger als ein wolkenloser blauer Himmel. Warum eigentlich? Tja, ich habe das schon mal in einem Video erklärt.
Am anschaulichsten lässt sich das wohl anhand eines Filmes beschreiben. Stellt man sich einen Film und dessen Handlung vor, so sind die Spannung und Dramatik die Wolken. Ist eine Handlung langweilig, ohne große Überraschungen und verläuft ziemlich monoton dahin, dann ist das wie ein blauer wolkenfreier Himmel.
Gibt es allerdings eine Person, den Hauptdarsteller, der mit Problemen und Widrigkeiten zu kämpfen hat, wird ein Film schnell interessanter. Wir brauchen in einem Film Dramatik und Spannung. Und genau das Gleiche trifft auf die Landschaftsfotografie zu. Je mehr Wolken, desto düsterer und bedrohlicher, desto mehr Spannung, Dramatik und Tiefe bekommt das Bild.
Aber reichen uns die Wolken alleine?

Nein, natürlich nicht, sonst wären wir ja keine Naturfotografen. Wir wollen mehr, wir wollen immer mehr. Wenn ich mich so zurückerinnere an meine Reisen, Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, waren es immer die, bei denen der Himmel brannte, bei denen die Wolken brannten. Wenn die Wolken in Flammen standen und alle Farben von Gelb bis Tiefrot spielten. Dies war immer ein ganz besonderer Moment, den ich mit der Kamera einfangen durfte.
Aber wann bekommt man solche Situationen? Wann sind die Chancen am höchsten, einen in Flammen stehenden Himmel zu bekommen? Kann man dies überhaupt planen oder vorhersagen?
Bis zu diesem Blogartikel wusste ich es selber nicht besser, aber nach einer langen Durststrecke mit langweiligen Sonnenauf- und Sonnenuntergängen stellte ich mir eines Tages diese Frage: Was muss eigentlich passieren, damit die Wolken brennen?
Was passiert eigentlich, wenn die Wolken brennen?
Um dieses besondere Leuchten überhaupt zu bekommen, ist eines ganz wichtig: Die Sonne muss tief stehen. Das trifft eben bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu. Ihr Licht muss dadurch einen wesentlich längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen als am Mittag.
Dabei werden die kurzwelligen Anteile des sichtbaren Lichts, vor allem Blau und Violett, stärker gestreut. Übrig bleibt zunehmend das langwelligere Licht: zuerst Gelb, dann Orange und schließlich Rot. Das ist die sogenannte Rayleigh-Streuung.
Eine Wolke erzeugt diese Farben also nicht selbst. Sie funktioniert eher wie eine Projektionsfläche. Das bereits gelb, orange oder rot gefärbte Sonnenlicht trifft auf die Wassertröpfchen oder Eiskristalle der Wolke und wird von dort in unsere Richtung gestreut beziehungsweise reflektiert.

Damit ergibt sich für uns Naturfotografen eigentlich eine ziemlich einfache Grundformel:Tief stehende Sonne + freie Lichtbahn am Horizont + Wolken darüber = gute Chance auf brennende Wolken.
Und genau der mittlere Punkt wird häufig übersehen. Die Sonne braucht freie Sicht unter die Wolken
Nehmen wir einen Sonnenuntergang. Die Sonne steht im Westen. Über dir und Richtung Osten befinden sich wunderschöne Wolken. Das allein reicht aber nicht. Wenn direkt am westlichen Horizont eine dicke Schicht tiefer Wolken liegt, kommt das Licht der untergehenden Sonne gar nicht bis zu den Wolken über dir. Die tiefen Wolken funktionieren wie eine Wand.
Ideal wäre also folgende Situation:
Westen: Sonne – freie Zone am Horizont – Licht gelangt unter die Wolkendecke
Osten: Altocumulus, Cirrus oder andere mittelhohe beziehungsweise hohe Wolken
Die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) beschreibt sogar besonders spektakuläre Sonnenuntergänge mit einer weitgehend geschlossenen Schicht aus mittleren oder hohen Wolken, während direkt über dem Horizont lediglich ein schmaler Streifen wolkenfrei bleibt. Das Licht kann dann unter die Wolkendecke gelangen und einen großen Teil des Himmels von unten beleuchten.
Das wäre eine Situation, bei der man von brennenden Wolken sprechen kann.
Nicht jede Wolke eignet sich gleich gut
Es gibt Wolken, die sich besonders gut dazu eignen, den Himmel in ein Farbenmeer zu verwandeln. Ich bin weder Meteorologe noch kenne ich mich mit den einzelnen Wolken besonders gut aus. Ich habe deshalb selbst recherchieren müssen, welche Wolken hier am besten geeignet sind.
Altocumulus, Cirrus, Cirrocumulus, Cirrostratus und teilweise dünner oder aufgelockerter Altostratus. Bitte fragt mich jetzt nicht, welche Wolke wie aussieht.
Altocumulus liegt grob in etwa 2 bis 5,5 Kilometer Höhe, während hohe Wolken wie Cirrus meist oberhalb von etwa 6 Kilometern liegen. Gerade Altocumulus ist fotografisch interessant. Die einzelnen Wolkenfelder haben Struktur, Zwischenräume und unterschiedliche Dicken. Wenn das Licht flach von unten einfällt, entstehen dadurch Gelb-, Orange- und Rottöne mit hellen und dunklen Bereichen.

Cirrus wiederum kann extrem lange Licht bekommen. NOAA weist darauf hin, dass hohe Cirruswolken bereits deutlich vor Sonnenaufgang beziehungsweise noch lange nach Sonnenuntergang gelb oder rot beleuchtet sein können. Stratus, Stratocumulus und andere tiefe Wolken können zwar ebenfalls orange oder rot werden. Sie sind dafür aber deutlich weniger geeignet.
Unter und zwischen tiefhängenden Wolken befindet sich häufig mehr Feuchtigkeit, Dunst, Aerosole und andere Partikel, wodurch das Licht stärker abgeschwächt wird.
Deshalb kann folgende Vorhersage enttäuschend sein:
70 % Bewölkung zum Sonnenuntergang. Denn diese Zahl sagt praktisch nichts darüber aus, wo die Wolken liegen und in welcher Höhe.
70 % niedrige Bewölkung bis zum westlichen Horizont kann miserabel sein.
70 % Altocumulus mit einer wolkenfreien Zone im Westen kann fantastisch sein.
Eine Wetterfront kann nahezu perfekte Bedingungen erzeugen
Jetzt wird es für die Wettervorhersage interessant. Eine der besten Situationen entsteht häufig am Rand eines Frontensystems, also beim Herannahen oder Abziehen einer Wetterfront.
Beim Sonnenuntergang kann es spannend werden, wenn eine Wetterfront nach Osten abzieht und es von Westen her aufklart. Das Sonnenlicht kann von Westen unter die abziehenden Wolken gelangen. Das ist eine klassische Situation für einen spektakulären Sonnenuntergang.

Beim Sonnenaufgang ist es einfach umgekehrt. Interessant kann eine von Westen herannahende Wetterfront sein. Im Osten ist der Himmel noch frei genug, damit die aufgehende Sonne hindurchscheinen kann, während sich über dir und weiter westlich bereits mittlere und hohe Bewölkung befindet. Dann beleuchtet die Morgensonne diese Wolken von unten.
Und genau solche Situationen, wenn ein Gewitter aufzieht oder wieder abzieht, nutze ich schon lange, um zu interessanten Bildern zu gelangen.
Heikel ist es nur, wenn man eine Wanderung zu einer Berghütte plant und ein Gewitter vorhergesagt wird. Hier muss man sich auf die Wettervorhersage verlassen können. Ich plante einmal eine Bergtour zu einer Hütte, bei der am späten Nachmittag ein Gewitter vorhergesagt wurde. Ich schaute, dass ich rechtzeitig bis Mittag an der Hütte ankam. Am Nachmittag ging dann ein gewaltiges Unwetter im Gebirge nieder und als es wieder abzog, war die Stimmung einfach fantastisch.
Mein Traumszenario für einen Sonnenuntergang wäre zwei bis drei Stunden vorher wechselhaftes Wetter oder eine abziehende Front. Noch relativ viele Wolken. Vielleicht einzelne Schauer. Eine Stunde vorher beginnen von Westen her die tiefen Wolken aufzureißen. Mittlere und hohe Wolken bleiben jedoch bestehen.
Zum Sonnenuntergang wäre es optimal, wenn in westlicher Richtung der Horizont weitgehend frei wäre. Darüber Altocumulus, Cirrus oder eine mittelhohe Wolkendecke. Kaum Regen oder dichter Dunst zwischen Sonne und Wolken.
Kurz nach Sonnenuntergang sinkt die Sonne unter den Horizont und beleuchtet die Wolkenunterseiten. Dann beginnt die eigentliche Show.
Gelb – Orange – Rot.
Und wenn die hohen Wolken günstig liegen, kann die intensive Farbe noch etliche Minuten nach dem eigentlichen Sonnenuntergang weitergehen.
Was ich beim Wetterbericht kontrollieren würde
Wenn man am Vorabend entscheiden möchte, ob sich das Aufstehen lohnt, sollte man nicht einfach nur auf „Bewölkung 60 %“ schauen. Entscheidend ist vor allem, wo sich diese Wolken befinden und in welcher Höhe sie liegen.
Bei einem Sonnenaufgang sollte der östliche Horizont möglichst frei sein, damit das Licht der tief stehenden Sonne überhaupt unter die vorhandene Bewölkung gelangen kann. Bei einem Sonnenuntergang gilt dasselbe für den Westen.
Tiefe Wolken direkt am jeweiligen Horizont sind eher ungünstig, weil sie das Licht blockieren können. Mittelhohe und hohe Wolken hingegen sind genau das, was man sich wünscht, denn sie können von der tief stehenden Sonne angestrahlt werden und beginnen dann in Gelb, Orange oder Rot zu leuchten.
Auch Wolken direkt über dem eigenen Standort sind grundsätzlich kein Problem. Im Gegenteil, gerade sie können für eine besonders eindrucksvolle Lichtstimmung sorgen, wenn die Sonne freie Bahn hat und ihre Unterseite erreicht. Regen sollte möglichst bereits vorbei sein, dichter Nebel oder starker Dunst sind eher ungünstig, weil sie das Licht zusätzlich abschwächen. Klare Luft ist deshalb meist von Vorteil.
Es gibt keine seriöse Prozentzahl wie „50 % Bewölkung sind optimal“.

Solche Werte sind höchstens fotografische Erfahrungswerte. Meteorologisch entscheidend ist nicht die gesamte Wolkenmenge, sondern die dreidimensionale Anordnung der Wolken.
Du kannst bei 90 % Bewölkung einen unglaublichen Sonnenuntergang erleben, wenn diese 90 % aus einer mittleren Wolkendecke bestehen und genau am westlichen Horizont die entscheidenden 10 % frei sind.
Und du kannst bei 30 % Bewölkung überhaupt keine Farbe bekommen, wenn genau diese 30 % als tiefe Wolkenwand vor der Sonne liegen.
Welche Wetter-Apps helfen bei der Planung?
Für die Planung eines Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs reicht eine normale Wetter-App oft nicht aus. Interessanter sind Anwendungen, die auch die verschiedenen Wolkenschichten und weitere meteorologische Daten anzeigen.
Bei der Recherche für diesen Artikel bin ich auf einige Apps gestoßen, die ich selbst vorher gar nicht kannte. Deshalb möchte ich hier auch keine Bewertung abgeben, welche davon nun besser oder schlechter ist. meteoblue habe ich allerdings selbst lange verwendet und kenne die App daher deutlich besser.
Interessant sind unter anderem Ventusky und Windy. Je nach App lassen sich dort tiefe, mittlere und hohe Wolken, Wolkenbasis, Niederschlag, Sichtweite, Nebel und weitere Wetterdaten kontrollieren.
Ventusky wirkt für eine schnelle Einschätzung sehr übersichtlich, weil sich die Wetterentwicklung direkt auf der Karte darstellen lässt. Allerdings sind die detaillierten Wolkenebenen in der App nur mit der Premium-Version verfügbar.
meteoblue bietet ebenfalls sehr detaillierte Informationen zu Wolkenhöhe, Wolkenschichten und Sichtweite. Windy ist vor allem deshalb interessant, weil sich verschiedene Wettermodelle miteinander vergleichen lassen.

Von den Apps, die ich mir für diesen Artikel angesehen habe, konnte ich bei meteoblue die Höhe der Wolkenschichten auch ohne kostenpflichtiges Abo besonders gut ablesen. Ein Punkt ist allerdings dabei zu beachten, den ich selber vorher nicht wusste: Die Höhe wird hier ab Meereshöhe angezeigt, also nicht über dem ausgewählten Ort.
Nehmen wir zum Beispiel einen Standort auf etwa 1.674 Metern Höhe. Zeigt meteoblue eine Wolkenschicht bei 3 Kilometern Höhe an, läge diese also ungefähr 1,3 Kilometer über dem Standort.
Sollte man das alles verstehen?
Nun, sollte man sich bei jeder Tour, bei jedem Sonnenuntergang hinsetzen und das Wetter genau studieren? Und wenn die Bedingungen laut Wetter-App ungünstig sind, einfach zuhause bleiben?
Ich habe diesen Artikel geschrieben, weil ich mich bei einem Sonnenaufgang einmal gefragt habe: Wann brennen eigentlich die Wolken und kann man dies vorhersagen?
Es war ein Sonnenaufgang ohne Wolken und wenn man da so wartet, kommen einem die komischen Gedanken. Deswegen habe ich mich zuhause hingesetzt und nachgeforscht, ob man einen farbenfrohen Himmel mit gelb, orange und rot leuchtenden Wolken anhand von Wetterdaten vorhersagen kann.
Aber jetzt immer eine halbe wissenschaftliche Analyse des Wetters anzustellen, finde ich persönlich zu übertrieben. Will man raus, dann geht man raus und sieht, was passiert.
Eines kann ich sagen: Die Wettervorhersagen sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Oft kam es anders als gedacht oder vorhergesagt.
Aber es kann nicht schaden, vor allem wenn einem ein längerer Aufstieg in der Dunkelheit bevorsteht, zu wissen, was einen dann zu Sonnenaufgang erwartet. Ein kurzer Blick in eine der oben genannten Apps kann einen schon etwas darauf einstellen, was einen erwartet.
Solche Wetterlagen zu erwischen ist natürlich nur die eine Hälfte. Am Ende braucht es trotzdem eine Bildkomposition, die das Licht und die Stimmung auch wirklich trägt. Genau damit beschäftige ich mich in meinem E-Book zur Bildkomposition. Wenn du dich mit dem Thema näher auseinandersetzen möchtest, findest du dort viele meiner Gedanken und Erfahrungen dazu.
