Es gibt Landschaften, da denkt man beim ersten Anblick, dass es eigentlich nicht schwer sein kann, mit guten Bildern nach Hause zu kommen. Berge, ein herrlicher See und ein paar Tage Zeit, um sich mit der Gegend zu beschäftigen. Was soll da schon schiefgehen? Nun, ganz so einfach war es dann doch nicht. Die Landschaftsfotografie in den Bergen machte es mir an diesem ersten Abend schwerer als erwartet.

Für ein kleines Bergabenteuer zog es mich diesmal nach Tirol, zur Coburger Hütte. Die Gegend rund um die Zugspitz Arena hatte mein Interesse geweckt. Herrliche Bergpanoramen und mit dem Drachensee gleich ein lohnendes Motiv in der Nähe der Hütte. Knapp drei Tage wollte ich hier verbringen, die Umgebung erkunden und versuchen, ein paar schöne Bilder zu bekommen.
Was ich bei meinen Überlegungen allerdings nicht bedacht hatte, war, wie eng hier alles beieinanderliegt. Die Berge stehen unmittelbar vor einem. Das ist beeindruckend, macht es aber nicht unbedingt leichter, eine Bildkomposition zu finden. Vor allem dann, wenn man den See mit ins Bild nehmen möchte.
Das Problem war weniger das Motiv als das Licht. Sobald es oben an den Bergketten interessant wurde, lag der See bereits im Schatten. Helle Gipfel, dunkler Vordergrund. Eine Kombination, die mir an diesem ersten Tag noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten sollte.

Meine erste Anlaufstelle war der Drachensee. Ein bisschen warm fotografieren, mich mit der Landschaft vertraut machen und schauen, was überhaupt möglich war. Ich hatte mein 16–35er dabei, das ich aus Gewichtsgründen beinahe zu Hause gelassen hätte. Zum Glück war es doch im Rucksack gelandet. Selbst mit dem 24–105er war mir der Bildausschnitt hier teilweise schon zu eng.
Überhaupt war das Gewicht so eine Sache. Mit der Fotoausrüstung und allem, was ich für zwei Nächte auf der Hütte brauchte, dürfte mein Rucksack an die 20 Kilo gehabt haben. Da überlegt man sich schon, ob wirklich jedes Objektiv mitmuss. Und dann steht man vor einem Motiv und ist froh, genau das eingepackt zu haben, das man eigentlich streichen wollte.
Am ersten Standpunkt hatte ich noch recht viel Gegenlicht. Ich machte Belichtungsreihen, um mir für die spätere Bearbeitung alle Möglichkeiten offenzuhalten. Ob am Ende vielleicht doch eine einzelne Aufnahme reichen würde, musste sich erst zeigen. Ich wanderte ein Stück um den See herum und suchte nach einer anderen Perspektive. Von dort fiel das Licht günstiger auf die Berge, und auch der Vordergrund war etwas heller. Die Helligkeitsunterschiede waren dadurch leichter in den Griff zu bekommen.
Es ging ein wenig Wind, der die Wasseroberfläche unruhig machte. Deshalb verwendete ich einen sogenannten Dark Polarizer, eine Kombination aus Polfilter und einem Graufilter mit fünf Blendenstufen. Mir ging es in dieser Situation vor allem um die längere Belichtungszeit, mit der ich die Bewegung auf dem Wasser etwas glätten konnte. Die Wirkung des Polfilters nahm ich weit zurück, weil man bei der Verwendung eines Weitwinkelobjektiv einen dunklen Fleck im Bild bekommt. Da das Weitwinkel einen größeren Winkel aufweist als der Polfilter, ist nur ein kleiner Bereich von dem Polarisationseffekt betroffen. Und meistens sitzt der genau mitten am Himmel.

Die ersten Bilder waren auf der Speicherkarte. Nun wollte ich noch etwas von der Umgebung sehen und vor allem einen Platz für den Sonnenuntergang finden. Mein ursprünglicher Gedanke war, die Zugspitze zu fotografieren. Vielleicht mit dem 70–200er, den Berg mehr als einzelnes Motiv, mit einem engeren Ausschnitt und hoffentlich interessantem Licht. Einen passenden Vordergrund zu finden, stellte sich nämlich als schwieriger heraus als gedacht.
Ich wanderte weiter und fand einen Ausblick, bei dem ich wieder einen See und die Berge gemeinsam ins Bild nehmen konnte. Über dem Gebirge lag ein schönes Wolkenband. Besonders gefielen mir die Spiegelungen der Bäume im Wasser. Es war noch eine ganze Weile bis zum Sonnenuntergang, ungefähr zwei Stunden. Genug Zeit, um weiterzusuchen, aber auch genug Zeit, damit sich das Wetter noch einmal ändern konnte.
Und natürlich tat es das.
Als die goldene Stunde begann, hatten sich die meisten Wolken verabschiedet. Ein schmales Band hing noch vor den Bergen, darüber war der Himmel weitgehend leer. Für eine große Landschaftsaufnahme hätte ich mir da schon etwas mehr gewünscht. Die Wettervorhersage eigentlich auch. Aber ja, ich und die Wolken, das wollte wieder einmal nicht so recht funktionieren.

Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang war ich mir noch immer nicht ganz sicher, welchen Bildausschnitt ich nehmen sollte. Ich hatte wieder das Weitwinkel montiert, um mehr vom Gebirge und auch den See einzubauen. Von der Belichtung her ging es noch besser als befürchtet. Das Histogramm ließ hoffen, dass in den dunklen Bereichen genügend Zeichnung bleiben würde, um sie später etwas aufzuhellen. Auch meine 5D Mark IV schien mit der Situation noch zurechtzukommen.
Trotzdem überlegte ich, auf eine längere Brennweite zu wechseln. Wenn für die große Übersicht die Wolken fehlen, findet man vielleicht in den Felsen einen interessanten Ausschnitt. Das flache Licht konnte die Konturen der Berge noch schön herausarbeiten. Ich musste nur etwas finden, das für sich allein funktionierte.
Solche Überlegungen beschäftigen mich beim Fotografieren ständig. Passt die Komposition? Wird das Licht noch besser? Soll ich bei meinem Ausschnitt bleiben oder noch etwas anderes versuchen? Man steht vor einer herrlichen Landschaft und ist trotzdem die ganze Zeit damit beschäftigt, wie man sie auf ein Bild bringen könnte.
Wenige Minuten vor Sonnenuntergang kam dann doch noch etwas Farbe ins Gebirge. Zuerst nur ganz leicht, ein Hauch von Rosa und Rot. Ich hatte die Hoffnung schon beinahe aufgegeben, aber nun begann ich wieder genauer hinzusehen. Würde es noch intensiver werden?

Das Weitwinkel blieb auf der Kamera. Mittlerweile gefiel mir die Komposition mit den Bergen, dem See und einem Stück vom Tal doch recht gut. Ich wollte jetzt nicht noch einmal alles ändern und dann womöglich mit einem Ausschnitt dastehen, der mir weniger zusagte. Also blieb ich dabei, korrigierte die Belichtung und beobachtete, wie sich die Farbe an den Bergen veränderte.
Auch nach Sonnenuntergang wartete ich noch. Vielleicht würde sich noch etwas tun, vielleicht bekämen die Berge noch einmal einen kräftigeren Farbton. Aber irgendwann zeichnete sich ab, dass an diesem Abend nicht mehr viel kommen würde. Ich begann langsam zusammenzupacken. Ein kleines Stück musste ich noch zurück zur Hütte, und das wollte ich erledigt haben, bevor es völlig dunkel wurde.
Für den nächsten Vormittag waren mehr Wolken angesagt. Das musste nichts Schlechtes bedeuten. Ich wollte mir den Drachensee noch einmal genauer anschauen, seine Farbe, die Spiegelungen und die Möglichkeiten unter anderem Licht.
Für heute hatte ich die Gegend ein wenig kennengelernt und erste Bilder gemacht. Ob darunter etwas war, mit dem ich wirklich zufrieden sein würde, musste sich bei der Bearbeitung zeigen. Morgen würde ich wieder mit der Kamera losziehen. Hoffentlich mit ein paar Wolken mehr.















