Eigentlich hatte ich an diesem Tag ein ziemlich klares Ziel. Ich wollte zum Johanneswasserfall in Obertauern und mich dort fotografisch etwas genauer umsehen. Wie so oft in der Naturfotografie stellte sich aber wieder einmal heraus, dass nicht nur das geplante Ziel die interessantesten Motive bereithält.
Schon auf dem Weg zum Johanneswasserfall kam ich an einem kleineren Wasserfall, beziehungsweise zwei kleineren Wasserfällen vorbei. Das Wasser schlängelte sich zwischen Steinen und Felsen hindurch und bildete dabei mehrere kleine Wasserfälle und Kaskaden. Nichts wirklich Spektakuläres, aber trotzdem interessant genug, um einige Zeit dort zu verbringen.
Ein kleiner Bach, der mich länger beschäftigte als gedacht
Gerade bei solchen Motiven brauche ich meistens etwas Zeit. Auf den ersten Blick sieht alles wunderschön aus, aber das bedeutet noch lange nicht, dass daraus automatisch ein gutes Bild entsteht.
Ich probierte mehrere Blickwinkel aus und suchte nach unterschiedlichen Bildkompositionen. Wie kann man die Wasserfälle am besten in Szene setzen? Wo befinden sich störende Elemente? Wo könnte ich Vordergrund, Wasser und Umgebung so miteinander kombinieren, dass daraus ein ruhiges und harmonisches Bild entsteht?

Genau diese Art der Fotografie macht mir besonders viel Spass.
Nicht einfach irgendwo das Stativ aufstellen und fotografieren, sondern sich langsam an ein Motiv herantasten. Ein paar Schritte nach links, wieder zurück, etwas tiefer gehen, einen anderen Ausschnitt versuchen und vielleicht feststellen, dass die erste Idee doch nicht funktioniert.
Ich verbrachte wesentlich mehr Zeit an diesen kleinen Wasserfällen als ursprünglich geplant. Aber mit einigen der Bilder, die dort entstanden sind, bin ich jedenfalls sehr zufrieden.
Weiter zum Johanneswasserfall
Irgendwann packte ich meine Sachen wieder zusammen und machte mich weiter auf den Weg zum Johanneswasserfall.
Der Weg führte ziemlich steil hinunter. Bergab ist das meistens noch halbwegs angenehm, allerdings ging mir dabei natürlich bereits durch den Kopf, dass ich denselben Weg später auch wieder nach oben musste.
Unten angekommen stand ich schließlich vor dem Johanneswasserfall.

Das Besondere an diesem Wasserfall ist, dass man hinter ihn gehen kann. Man steht also praktisch zwischen Felswand und herabstürzendem Wasser und kann durch beziehungsweise unter dem Wasserfall hindurch auf die Landschaft dahinter blicken.
Genau diesen Umstand wollte ich auch in meinen Bildern zeigen.
Eine klassische Aufnahme des Wasserfalls wäre natürlich möglich gewesen, aber für mich war gerade diese Perspektive wesentlich interessanter.
Durch den Wasserfall fotografieren
Ich versuchte verschiedene Bildkompositionen, bei denen ich vom Wasserfall hinaus in die Landschaft fotografierte. Im Hintergrund befanden sich Berge und Bäume, während Teile des Wasserfalls das Bild einrahmten.
Besonders interessant fand ich dabei den Wasserschleier.

Je nachdem, wo ich meine Kamera positionierte, konnte ich durch einen Teil des fallenden Wassers hindurch fotografieren. Die Landschaft dahinter wurde dadurch nicht mehr vollkommen klar dargestellt, sondern leicht getrübt und verschwommen.
Fast so, als hätte man einen natürlichen Filter vor das Objektiv gesetzt.
Genau solche Möglichkeiten gefallen mir an bekannten Motiven. Natürlich gibt es vom Johanneswasserfall wahrscheinlich bereits unzählige Bilder. Für mich geht es deshalb darum, einen Blickwinkel zu finden, der mir selbst gefällt und vielleicht etwas anders aussieht als die Aufnahme, die man zuerst im Kopf hat, wenn man an einen Wasserfall denkt.
Noch etwas weiter in die Berge
Das Wetter begann zuzuziehen. Die Wolken wurden dichter und die Landschaft verlor zunehmend das direkte Licht.
Die Bergkette vor mir war fotografisch ebenfalls nicht unbedingt das charakteristischste Motiv. Es fehlten markante Formen oder einzelne Gipfel, die sofort ins Auge springen würden.
Aber gerade hier konnten die Wolken etwas beitragen.

Die Landschaft selbst war eher ruhig und unspektakulär, dafür sorgten die Wolken für die notwendige Stimmung. Also versuchte ich trotzdem mein Glück und machte einige Aufnahmen.
Nicht jedes Motiv muss spektakulär sein. Manchmal reicht eine bestimmte Stimmung, interessantes Licht oder eben eine Wolkenformation, um aus einer eigentlich unscheinbaren Landschaft doch noch ein Bild zu machen.
Ob daraus letztendlich eines meiner Lieblingsbilder dieses Tages wird, ist eine andere Frage.
Die kleinen Motive am Wegesrand
Während ich weiter durch die Landschaft wanderte, fand ich schließlich noch einige kleine Tümpel und Teiche.
Und wieder war es eines dieser Motive, an denen man vermutlich relativ leicht vorbeigehen könnte.
In einem der Teiche wuchsen beziehungsweise schwammen Gräser an der Wasseroberfläche. Sie bildeten lange Linien, Kurven und kleine Muster.
Das Ganze hatte etwas Abstraktes. Ich interessierte mich nicht mehr der gesamte Teich oder die Landschaft rundherum. Ich konzentrierte mich nur noch auf diese Formen im Wasser.
Welche Linien passen zusammen? Wo entsteht Ruhe im Bild? Wie viel Wasser lasse ich rund um die Gräser stehen?

Wieder verbrachte ich dort einige Zeit und arbeitete mich langsam an verschiedene Bildkompositionen heran.
Solche Motive gefallen mir immer mehr. Es muss nicht immer der große Wasserfall, der dramatische Berg oder ein spektakulärer Sonnenuntergang sein.
Manchmal reicht ein kleiner Ausschnitt.
Ein paar Gräser auf einer Wasseroberfläche.
Das eigentliche Ziel ist nicht immer das beste Motiv
Als ich später wieder zurück zum Auto marschierte, blickte ich auf einen ziemlich abwechslungsreichen fotografischen Tag zurück.
Natürlich war der Johanneswasserfall das geplante Hauptziel. Er war der Grund, warum ich überhaupt dort unterwegs war.
Aber fotografisch gesehen bestand dieser Tag aus wesentlich mehr.
Da war der kleine Bachlauf mit seinen Kaskaden, an dem ich viel länger blieb als geplant. Der Blick durch den Johanneswasserfall hinaus auf Berge und Bäume. Die zunehmend düstere Stimmung in den Bergen. Und schließlich diese kleinen Gräser in einem unscheinbaren Teich.
Genau das ist für mich Naturfotografie.
Man hat vielleicht ein Ziel im Kopf, aber man sollte trotzdem offen dafür bleiben, was einem unterwegs begegnet.
Denn manchmal findet man das interessanteste Motiv nicht dort, wo man eigentlich hinwollte.
Sondern irgendwo am Weg dorthin.
Genau dieses langsame Herantasten an ein Motiv, das Suchen nach Bildkompositionen und der bewusste Blick auf die kleinen Dinge ist auch ein wichtiger Teil meiner privaten Fotoworkshops.
Wenn du deine Naturfotografie weiterentwickeln möchtest und dir dabei persönliche Betreuung direkt draußen in der Natur wichtig ist, findest du hier weitere Informationen zu meinen privaten Fotoworkshops.
























Hallo Jürgen,
es ist immer wieder eine Freude von dir Bilder anzusehen und deine Berichte zu lesen beziehungsweise deine YouTube Videos anzusehen. Du arbeitest genau in der Richtung, die auch mich in der Naturfotografie am meisten fasziniert.
Alles Gute weiterhin und schöne Grüße Alexander
Hallo Alexander, vielen Dank!
Grüße
Jürgen