Bei uns Naturfotografen ist es nicht leicht, es recht zu machen. Entweder es ist zu sonnig oder es ist zu bewölkt. Wir suchen ständig nach den perfekten Bedingungen. Ein teils bewölkter Himmel, Wolken in höheren Lagen, sodass die Sonne darunterkriechen und die Wolkendecke erleuchten kann. Nicht zu viel und nicht zu wenig Licht auf unser Motiv.
Es sollte flach einfallen und die Sonne soll sich im richtigen Moment hinter den Wolken wieder verstecken.
Wir laufen einem Ideal nach, manchmal zu sehr, und vergessen dabei, dass das Ganze auch Spaß machen soll und es auch heißt, sich Herausforderungen zu stellen. Es ist einfach zu sagen: „Ah, heute regnet es oder der Wind bläst zu stark.“ Man bleibt lieber zuhause, nur um dann festzustellen, dass das Wetter nach dem Regen oder nach dem Gewitter plötzlich aufreißt und ein wundervolles Licht kreiert. Und wo ist man dann? Genau! Zuhause auf der Couch vor dem Fernseher.
Natürlich heißt das nicht, dass ich bei jedem schlechten Wetter draußen zu finden bin. Ich liebe meine Couch und ich liebe es, mir einen gemütlichen Tag im Warmen und Trockenen zu machen, während es draußen regnet oder stürmt. Aber ab und an sollte man doch über seinen Schatten springen, seine Kamera schnappen, eine Menge Mikrofasertücher einpacken und raus in den Regen marschieren. Es kann sich durchaus lohnen.
Alaska, Kenai Peninsula

Dieses Bild entstand in Alaska auf der Kenai Peninsula. Ich hatte ein paar herrliche Tage in Homer verbracht und auf der Rückfahrt fing es an, heftig zu regnen. Keine zehn Pferde brachten mich bis zu diesem Zeitpunkt vor die Tür meines Campers. Ich fuhr entlang des Kenai Lakes und mir ist schon die ganze Zeit aufgefallen, welch faszinierendes Muster der Regen auf die Wasseroberfläche kreierte. Ich blieb also bei einem Rastplatz stehen, schnappte meine Kamera ohne Stativ, ich wollte im strömenden Regen nicht mit dem Stativ herumhantieren, und versuchte auf die Schnelle ein paar spannende Bilder zu bekommen. Ich konnte mir nicht so viel Zeit nehmen, um einen perfekten Bildausschnitt zu finden, dafür regnete es mir dann doch etwas zu stark. Aber ich bekam ein paar nette Bilder von dem interessanten Muster auf der Wasseroberfläche.
Details im Wald

Ein Waldgebiet ist wohl der beste Platz, um bei Regen unterwegs zu sein. Der Duft, die Frische und die kräftigen Farben. Bei Regen wirkt alles einfach frisch und neu. Der Staub der heißen, trockenen Tage wird abgewaschen und die Natur erstrahlt in einem frischen Glanz. Außerdem kann man in einem Wald immer wieder ein Plätzchen finden, wo der Regen nicht so hinkommt und man sich im Schutz eines Blätterdaches kleinen Details am Waldboden hingeben kann. Gräser mit Regentropfen darauf, ein nasser, dunkler Waldboden, der einen schönen Kontrast zu Ästen, Pilzen oder ähnlichem bietet. Ein enger Bildausschnitt von nassen, grün strahlenden Blättern vielleicht. Egal was, Objekte, die bei Sonnenschein oder trockenem Wetter eher unspektakulär oder unscheinbar wirken, wie ein Grashalm, können sich bei Regen in ein interessantes Motiv verwandeln.
Regen schafft Stimmung

Wir waren auf einer Wanderung zum Lago Federa in Südtirol. Das Wetter war alles andere als ein einladendes Wanderwetter. Der Himmel war bedeckt und es regnete. Mal stärker, mal weniger. Der Regen war steter Begleiter auf unserem Weg nach oben zum See. Ich war zunächst enttäuscht, denn ich hatte Bilder gesehen von diesem See mit gelb leuchtenden Blättern vor einem wundervollen Bergpanorama. Stattdessen kämpften wir uns teilweise durch einen Vorhang aus Regen. Was ich noch nicht wusste, dieser Vorhang sollte mir ein stimmungsvolles Bild liefern.
Auf dem Bild ist nämlich nicht Nebel zu sehen, sondern starker Regen, der kurz nachdem ich die Kamera für dieses Motiv aufgebaut hatte, einsetzte. Deswegen habe ich hier einen schönen Vergleich, wie das Motiv ohne und mit Regen aussah. Ich wurde aber auf der ganzen Wanderung immer wieder mit stimmungsvollen Bildern belohnt, wie zum Beispiel Wolkenschwaden, die sich durch das Gebirge zogen.
Nach dem Regen

Irgendwann hört der Regen oder das Gewitter auch auf und wenn man Glück hat, wird man mit einer Stimmung belohnt, die man an sonnigen Tagen einfach nicht bekommt. Natürlich braucht es Glück, dass sich das auch so abspielt, aber je öfter man bei widrigen Verhältnissen mit der Kamera unterwegs ist, desto höher sind die Chancen auf solche Situationen.
Wenn sich die Wolkendecke löst, Risse bekommt und die Sonne hindurchblinzelt, kreiert das ein traumhaftes Lichterspiel auf der Landschaft. Mit Glück erhält man noch einen Regenbogen als Draufgabe, falls es noch ein wenig dahin nieselt. Ein sich auflösendes Gewitter ist wohl das Schönste, wenn alles zusammenspielt und die Bedingungen für ein Lichterspektakel passen. Es sind noch genügend Wolken am Himmel, um von der Sonne angestrahlt zu werden und in den herrlichsten Farben zu leuchten. Durch die unterbrochene Wolkendecke gelangt nur partiell Sonnenlicht auf die Landschaft, was ein herrliches Licht-Schatten-Spiel erzeugt. Sowas liebe ich.
Wenn es das nächste Mal regnen sollte, überlege nicht lange, geh raus, schnapp die Kamera und besuche das nächstgelegene Waldgebiet, marschiere zu einem Wasserfall oder Flusslauf oder versuch dein Glück bei einem deiner Lieblingsspots und schau, was passiert, wenn sich das Wetter dreht und die Sonne wieder auf die Landschaft trifft.
Den Wetterbericht ein wenig zu studieren, kann helfen vorherzusagen, was passieren wird, um so die Location besser wählen zu können.
Also dann, Regenjacke an, Mikrofasertücher eingesteckt und raus in das Unwetter!
