Sonnenaufgang bei Logan Rock

Mein zweiter Tag in Cornwall bescherte mir meinen ersten Sonnenaufgang am Meer auf dieser Reise. Obwohl nicht wirklich geplant, erwischte ich ihn dennoch fast rechtzeitig.
An diesem Tag war am Vormittag Logan Rock geplant, ein Küstenabschnitt, geprägt von hohen Steilwänden. Was natürlich bedeutete, dass man nicht bis zum Strand oder Meer gelangen konnte. Weitwinkel- oder Nahaufnahmen von den herrlichen Felsen, die das Meer umspülte, waren nicht möglich.
Aber von vorne: Es war mein erster Besuch bei Logan Rock, und deswegen startete ich nicht ganz bei Dunkelheit, weil ich keine Ahnung hatte, wie das Gelände dort aussah und wo genau ich da überhaupt hin musste. Vom Parkplatz aus waren es noch zirka 20 Minuten Fußweg über Weiden und Felsmauern. Ich sah auf meinem Weg allmählich, wie der Horizont Farbe annahm, wie es langsam heller wurde und der Tag seinen Platz einforderte. Ich beschleunigte meinen Schritt, und auf den letzten Metern, als mir bewusst wurde, dass ich den Sonnenaufgang doch noch erwischen könnte, lief ich sogar. Bei meiner damaligen körperlichen Verfassung vielleicht ein Fehler. Ich baute die Kamera an der erstbesten Stelle auf, um die aufgehende Sonne einzufangen und das erste Licht auf der Landschaft in einem Bild festzuhalten.

Bin ich mit den Bildern zufrieden? Ich würde sagen, ja. In Anbetracht dessen, dass ich die Location nicht kannte und nur ein sehr kleines Zeitfenster hatte, um den Sonnenaufgang und die goldene Stunde einzufangen, konnte ich nicht mehr erwarten. Ich fand es trotzdem schwierig, an diesem Ort angemessene Bildkompositionen zu finden. Vielleicht lag es am Zeitmangel, dem Fehlen jeglicher Erkundung, aber ich konnte der Landschaft keine gute Komposition entlocken, zumindest, was den Sonnenaufgang anging. Der reine Sonnenaufgang am Meer ist eher langweilig, man hat das Meer und die Sonne, das war’s. Man braucht einen Vordergrund, ein Objekt, ein Element, das dem Bild zu Glanz und Spannung verhilft. An Land fand ich nichts Passendes, das ich platzieren konnte, um eben diese Stimmung zu erzeugen. Die Landschaft war herrlich, es war ein wundervoller Ort, um den Sonnenaufgang zu genießen und die frische Meeresluft am Morgen in sich aufzunehmen. Aber als Naturfotograf sucht man ja nach dem Besonderen, dem ganz Speziellen, das ein Bild in etwas Herausragendes verwandelt, und dies habe ich, was den Sonnenaufgang anging, nicht wirklich gefunden. Man hätte mehr Zeit dort verbringen müssen, was mir aber leider verwehrt blieb.

Nachdem die Sonne schon zu hoch stand, konzentrierte ich mich auf die Schattenseite der Landzunge. Eine steil abfallende Felswand machte es unmöglich, zum Meer direkt hinunterzusteigen, aber mein 24–105mm-f/4-Objektiv reichte aus, um die Bildausschnitte zu bekommen, die mir vorschwebten. Ein Abschnitt war besonders schön gespickt mit Felsen, und die Brandung bot mir ein herrliches Motiv mit einer Langzeitbelichtung. Mit Belichtungszeiten um die 8 Sekunden konnte ich die wilde Brandung in ein verträumtes, ruhiges Bild verwandeln. Mir gefiel diese weiche Zeichnung, die das Meer in Kombination mit den Felsen und der langen Belichtungszeit kreierte. Aber auch hier kam dann allmählich die Sonne, und ich machte mich wieder auf zurück zum Auto und auf ein herzhaftes englisches Frühstück.
Mittagssonne und der ND1000-Filter
Nach dem Frühstück machte ich mich auf eine Wanderung entlang der Küste. Ich startete direkt bei meinem Hotel. Es ging über Cape Cornwall, der Küste entlang, bis zu einer historischen Stätte des Bergbaus. Cape Cornwall bietet ein paar herrliche Ausblicke auf spektakuläre Felsformationen, Küsten und Strandabschnitte. Da ich zur Mittagszeit unterwegs war und unter einem strahlend blauen Himmel marschieren durfte, waren die Möglichkeiten für eine ernsthafte Naturfotografie etwas eingeschränkt, aber nicht ganz unmöglich. Mich faszinierten eine Gruppe von Felsen etwas weiter draußen am Meer. Ich nahm meinen ND1000-Filter und versuchte, unter der strahlenden Sonne so lange Belichtungszeiten wie nur möglich zu erreichen, um das Wasser verschwimmen zu lassen und so dem Effekt des hohen Kontrastes entgegenzuwirken. Heraus kamen sehr spannende Langzeitaufnahmen unter der Mittagssonne.

Mithilfe des ND1000-Filters gelangen mir unter der prallen Sonne und blauem Himmel doch sehr ansprechende und dramatische Bilder, wie ich finde. Mit Belichtungszeiten von 10 bis 30 Sekunden kann man den Umstand der Mittagszeit auf eine sehr kreative Art und Weise umgehen und Bilder, die dann doch anders aussehen als zu Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, kreieren. Ja, sie sind nicht so sanft und farbenfroh wie eben zu den klassischen Zeiten, aber auf ihre ganz eigene Weise besitzen sie ihre Dramaturgie.
Der etwas enttäuschende Abend
Am Abend besuchte ich Porthmeor Cove; auch hier sah ich wieder wundervolle Bilder, die mich dazu verleiteten, anzunehmen, ich würde dies ebenfalls so vorfinden. Das Wetter verschlechterte sich leider gegen Abend hin, und der Himmel zog komplett zu. Das Licht war nicht wirklich spannend, und so konzentrierte ich mich wieder auf enge Bildausschnitte und Langzeitbelichtungen. Am Abend benötigte ich keine ND-Filter mehr. Hier reichte der Polarisationsfilter vollkommen aus.

Ich startete zwar einen Versuch, zur Küste hinunterzukommen, um doch noch nahe an den Felsen zu fotografieren, aber es war steil und unwegsam. Ich versuchte zwar, ein paar Meter hinunterzuklettern, aber es war mir dann doch zu gefährlich. Ich war alleine, mit eingeschränktem Handysignal. Wenn hier etwas passieren würde, wäre es fatal. So begnügte ich mich wieder mit Teleaufnahmen. Ich montierte mein 70–200mm-f/2.8-Objektiv und suchte mir wieder spannende Bildausschnitte. Ich spielte mit schnellen und langen Belichtungszeiten. Ich versuchte, mit sehr schnellen Belichtungszeiten die weißen Schaumkronen einzufrieren, die Muster auf der Wasseroberfläche zeichneten. Dann wieder rauf mit Zeiten zwischen 0,5 und 10 Sekunden. Dabei entstanden wieder Bilder, die das stürmische Meer zähmten und es verträumt und beruhigend abbildeten.

Meine begrenzte Zeit in Cornwall
Wie schon mehrmals erwähnt, hatte ich leider nicht die Möglichkeit, Fotomöglichkeiten und Wetter wirklich zu nutzen. Ich hätte gerne noch mehr erkundet und fotografiert. Logan Rock wäre einen zweiten Besuch vielleicht wert gewesen, aber es hat eben nicht sein sollen; mein Körper hatte andere Pläne.
Was mir aber bleibt, ist die Erinnerung und die Bilder, die ich bekommen habe, um vielleicht eines Tages wieder dorthin zu reisen und einen zweiten Versuch zu starten, diese Landschaft angemessen zu erkunden und zu fotografieren. Es stehen noch einige Plätze auf der Liste.Extended thinking

















