Im Archiv zu stöbern und sich alte Fotos anzuschauen, von Reisen und Fototouren, ist etwas, was ich eigentlich viel zu selten mache. Meistens unternehme ich ausgedehnte Reisen durch mein Bildarchiv nur dann, wenn ich für einen Blogartikel oder ein Projekt bestimmte Bilder benötige, so wie zurzeit.
Ich arbeite gerade an einem neuen Buch, das, wie ich hoffe, in den nächsten Wochen fertig sein wird, und hierfür habe ich einiges an Bildmaterial benötigt. Dieses Bild von einem Elch kommt vielleicht nicht im Buch vor, aber als ich darüber stolperte, erinnerte ich mich sofort wieder an diesen Moment.

Es war vor 9 Jahren, Wahnsinn wie die Zeit verfliegt, ich fuhr gegen 2 Uhr morgens zu einem Sonnenaufgangsplatz. Zu dieser Zeit wurde es in Alaska nie richtig dunkel, nur so eine Art Dämmerung die für ein paar Stunden anhielt bevor die Sonne wieder aufging. Ich sah diesen Elch im Wasser stehen. Ich blieb sofort am Straßenrand stehen, schnappte meine Kamera und mein 300er Tele und begann zu fotografieren. Ich musste die ISO ziemlich hochschrauben um eine vernünftige Belichtung zu bekommen. Stolze ISO 12800 stellte ich bei meiner Canon 5D Mark 3 ein. Das Rauschen war natürlich dementsprechend aber mit Lightroom neuer Entrauschen Funktion, konnte ich dieses Bild deutlich verbessern, was das Rauschen betrifft.
Es ist kein Hammerbild, aber der Moment wird mir ewig in Erinnerung bleiben, es hat das, was für mich Alaska bedeutet, die Landschaft, die Weite, das Wetter und die Tierwelt. Das werde ich nie vergessen, als ich bei geöffneter Tür vom Wohnmobil auf der Stufe saß, vor mir meine Kamera auf dem Stativ aufgebaut, die kalte Luft und die kühle Stimmung die über dem See lag. Ich kann nicht mehr sagen, wie lange ich dort verbracht habe, aber ich fotografierte unzählige Bilder von diesem einen Elch. Das typischste was Alaska einem bieten konnte, bekam ich in dieser Nacht. Ich hätte noch länger dort sitzen können und den Moment geniessen, ohne zu fotografieren, einfach dort zu sitzen, die kalte Luft einzuatmen und der Natur zu lauschen und den Elch beobachten wie er gemütlich durch das Wasser watet und sich einen Mitternächtlichen Snack gönnt.
Mehr solcher Momente zu geniessen, ohne die Kamera zu benutzen oder sogar mitzunehmen, wäre ein schöner Gedanke und ein Vorsatz, den ich mir schon lange vornehme. Einfach nur präsent sein, zu schauen, den Moment auszukosten und ihn nur für sich selbst zu haben.
Es gibt eine schöne Zeile in dem Film Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (2013), wo Sean O´Connell (Sean Penn) einen Schneeleoparden fotografiert und Walter (Ben Stiller) fragt, wann er endlich abdrückt.
Sean O´Connell (Sean Penn) antwortet nur:
Manchmal gar nicht. … dann will ich einfach nur … darin verweilen.
