Das Hinterstoder Tal ist wohl vor allem für die wundervolle Aussicht über den Schiederweiher auf das Tote Gebirge im Hintergrund bekannt. Es gibt zahlreiche Bilder von dieser Location und ich muss sagen: Auch mir hat es dieser Platz angetan. Allerdings habe ich dieses Gebiet bislang noch nie wirklich erkundet. Ein kurzer Besuch im Winter und eine vor Kurzem unternommene Radtour durch dieses Tal brachten mich schließlich auf die Idee, dort einmal einen Sonnenaufgang zu fotografieren.
Es ist Frühling, und mit dem Frühling kommt auch ein großes Problem auf Naturfotografen zu: Der Sonnenaufgang beginnt immer früher. Um rechtzeitig vor Ort zu sein, musste ich bereits um 4:00 Uhr morgens aufstehen und mich auf den Weg machen. Es ist schon eine Weile her, dass ich so zeitig losmarschierte, um den Anbruch eines neuen Tages zu genießen. Ich glaube, das war letzten Sommer in Slowenien.
Der große Vorteil an so beliebten Plätzen um diese Zeit – man ist alleine! Ich hatte den gesamten Schiederweiher für mich allein, nicht einmal ein anderer Fotograf verirrte sich hierher. Das einzige Manko: keine Wolken. Wir wissen ja, warum. Ich hoffte natürlich auf ein Alpenglühen, das bei diesen Bedingungen kein Problem war. Das Problem war eher, dass das Alpenglühen durch den blauen Himmel etwas entschärft wurde. Soll heißen: Es wirkt nicht ganz so dramatisch und imposant, wie es mit Wolken gewesen wäre, die ebenfalls etwas Licht einfangen und die Wirkung zusätzlich unterstützen.

Aber ich will mich nicht beklagen. Es war ein herrlicher Morgen mit Naturfotografie an einem wunderschönen See und einem beeindruckenden Gebirge. Ich versuchte zunächst, den klassischen Bildausschnitt mit dem Schiederweiher im Vordergrund zu vermeiden, was gar nicht so leicht war. Entlang des Ufers, wo man den besseren Blick auf das Gebirge bekommt, stehen Büsche und Sträucher. Also keine freie Sicht auf das Wasser, in dem die Spiegelung des Gebirges zu sehen war.
Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Standpunkten, sogar auf dem hölzernen Brunnen, fand ich schließlich eine Position, bei der in einer kleinen Lücke im Gebüsch die Spitze des Großen Priel im Wasser zu sehen war. Das genügte mir. Er war der dominantere und charakterstärkste Berg, und den brauchte ich als Ganzes in der Spiegelung.
Ich bin keiner dieser Fotografen, die einen Platz und einen Bildausschnitt finden, dort verharren und, sobald sie ihr Bild haben, wieder zurückkehren. Ich fotografiere viel! Ich bringe es nicht fertig, einfach stehen zu bleiben. Außerdem werde ich ungeduldig, wenn sich das Licht zum Schlechteren wendet und ich noch keine anderen Blickwinkel und Bildausschnitte ausprobiert habe.

Deswegen schnappte ich mein Stativ und marschierte zum Klassiker, dem typischen Blick über den Schiederweiher. Das Bild musste trotzdem sein. Und solange ich noch dieses Alpenglühen auf dem Gebirge hatte, musste ich es ausnutzen.
Nachdem das warme orange Glühen einem hellen, fast grellen Gelb wich und das Gebirge zunehmend an Kontrast gewann, ging ich wieder zurück. Ich legte einen kurzen Stopp bei einem kleinen Wasserfall ein, weil ich dachte, dort einen interessanten Bildausschnitt zu finden. Leider war da nicht viel zu machen. Zu viele Äste versperrten mir die Sicht.
Bei meinem Fahrzeug angekommen, machte ich es mir gemütlich und frühstückte erst einmal. Ich genoss die warme Sonne, die ein echter Segen war, denn meine Finger waren fast erfroren. So eisig kalt war es am Morgen.
Danach entschied ich mich, das restliche Tal zu erkunden, um zu sehen, was es sonst noch zu entdecken gibt. Das Tal hat Potenzial und gehört definitiv noch genauer unter die Lupe genommen. Meine Tour fand schließlich ihr Ende beim Steyr-Ursprung.
Leider war das Licht dort nicht wirklich zu gebrauchen. Die Helligkeitsunterschiede waren zu groß, um vernünftige Landschaftsbilder zu bekommen. Also konzentrierte ich mich auf Detailaufnahmen der Wasseroberfläche. Das reflektierende Licht der Landschaft erzeugte interessante Spiegelungen, und mit der richtigen Belichtungszeit entstanden sehr abstrakte, weiche Formen und Muster.
Hier nun die Bilder von diesem kalten, aber wirklich schönen Morgen und dem restlichen Tag im Hinterstoder Tal






















