Falls du jetzt nicht lesen möchtest, wie ein Naturfotograf herumjammert, dann solltest du diesen Artikel lieber nicht lesen.
Ich unternehme Fotoreisen nun schon seit über 15 Jahren, Reisen, die ausschließlich dazu dienen, zu fotografieren. Alles ist so geplant und organisiert, dass das Erlebnis und die Ergebnisse auf eine größtmögliche Fotoausbeute hinauslaufen. Ich habe noch nie wirklich schlechte Erfahrungen oder irgendwelche anderen negativen Situationen erlebt. Aber diese Reise nach Südengland hat mich gebrochen.
Wie im letzten Blogartikel schon erwähnt, kämpfte ich schon im Vorfeld mit einer Grippe, die ich glaubte, einigermaßen überstanden zu haben. Vor Ort in England kamen allerdings wieder kleine Wehwehchen hinzu, die mich aber an den ersten zwei vollen Tagen nicht besonders beeinträchtigten. Ich konnte einige meiner Foto-Locations von meiner Liste besuchen und auch die Fotoausbeute war, soweit ich das jetzt beurteilen kann, hervorragend. Aber dann kam der Abend! Es begann mit einem leichten Kratzen im Hals und leichten Anzeichen einer Grippe. Die Halsschmerzen wurden im Laufe des Abends immer stärker. Am nächsten Morgen unternahm ich zwar noch den Versuch, eine Location zu besuchen, brach allerdings bald ab, weil ich einfach nicht mehr in der Lage war zu fotografieren. Es ist schwierig, kreativ zu sein, wenn der Körper nicht mehr mitmachen will. Mit einer angeschlagenen Gesundheit war schon der Weg dorthin mühsam und erschöpfend. Ich war müde und erschöpft, ich war erledigt und wollte eigentlich nur mehr ins Bett. So fuhr ich zu meinem Hotel zurück und klapperte alle möglichen Geschäfte ab, um mich mit allen möglichen Dingen einzudecken. Faszinierend, dass sie hier keinen Salbeitee haben – und das, obwohl bekannt ist, dass dieser bei Halsschmerzen hilft. Keiner hatte so einen Tee. Der Tipp von der Apotheke, dass ein kleiner Laden ihn vielleicht habe, gab mir Hoffnung. Also ab zu Stones, so hieß der Laden. Aber auch sie hatten keinen Salbeitee, aber sie hatten frischen Salbei. Ich erklärte ihnen meine Lage und wofür er sei. Auf meine Bedenken hin, wie ich den Tee zubereiten sollte, gab mir die Verkäuferin ihr eigenes Teesieb – ich könne es gerne behalten, meinte sie. Ich brachte es aber am nächsten Tag dankenswerterweise wieder zurück. Aus dem frischen Salbei machte ich mir also einen Tee, dazu Paracetamol, und den Rest des Tages verbrachte ich im Bett, die Vorhänge zugezogen, um nicht sehen zu müssen, welch herrliches Licht da draußen herrscht.

Man kann also sagen, ich verlor einen ganzen Tag, interessante Plätze, die ich unbedingt besuchen wollte, aber ich musste sie streichen. Die nächsten Tage sollten nicht besser verlaufen. Ich sollte nicht wieder ganz fit werden, das hieß, einiges von meiner Liste zu streichen, Wanderungen zu canceln und es ruhiger anzugehen. Es schmerzte, in England zu sein, eine Liste mit fantastischen Plätzen zu haben, aber man kann einfach nicht. Man schafft es einfach nicht. Der Körper will einfach nicht mehr mitmachen.
Cornwall ist eine herrliche Region, um Küstenfotografie zu betreiben, und ich hatte einige fantastische Plätze auf meiner Liste; einige davon konnte ich besuchen, aber leider mussten ein paar gestrichen werden. Am vierten Tag ging es dann weiter Richtung Dartmoor Nationalpark. Auch hier hatte ich einiges vor und wieder einiges auf der Liste, das ich gerne erledigen wollte: Wistman’s Wood, Great Staple Tor, Sandymouth Beach und Hound Tor, um nur einige zu nennen. Das Einzige, was ich geschafft habe, waren Wistman’s Wood, Venford Waterfall und Lydford Gorge.

An dem Tag, an dem ich diese Zeilen schrieb, bin ich früh morgens zu Wistman’s Wood, um den bewölkten Himmel auszunutzen. Ich wollte einen zweiten Versuch starten, Bilder ohne direktes Sonnenlicht zu bekommen. Danach bin ich zum Hotel zurück, um mich kurz auszuruhen, um danach die Lydford Gorge in Angriff zu nehmen. Ich fotografierte den sehr interessant gelegenen Devil’s Cauldron Wasserfall, der in einer tiefen, dunklen Schlucht liegt, dessen Weg dorthin etwas abenteuerlich ist. Anschließend wollte ich mich auf den Weg zum White Lady Wasserfall machen. Aber ich musste auf halbem Weg abbrechen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Ich ging zum Hotel zurück, duschte und legte mich ins Bett. Das war mein letzter Fototag in England.
Es war hart, dies zu akzeptieren, und ich wehrte mich so lange es ging, aber der Körper schrie nach Ruhe. Die Enttäuschung ist natürlich groß, all die Planung, Recherche und natürlich Geld, das in diese Reise floss, nur um, gefühlt, die meiste Zeit im Bett zu verbringen.
Aber sowas passiert, und man kann nichts dagegen tun. Man ist dieser Situation ausgeliefert. Aus diesem Grund habe ich auch diesen Blogartikel geschrieben. Man sieht immer nur die Sonnenseite, all die tollen Bilder und die fantastische Zeit, die ein Fotograf hat. Aber wo Licht, da auch Schatten, und diese Schattenseite habe ich leider bei dieser Fotoreise kennengelernt. Und es hat mich auf etwas aufmerksam gemacht, das ich immer vernachlässigt habe – ein Notfallset. Nicht nur ein Erste-Hilfe-Set, sondern auch Medikamente, die einen durch das Gröbste hindurch helfen. Nicht immer ist man in einer Gegend unterwegs, die über eine gute Abdeckung an Versorgungsmöglichkeiten, wie Salbeitee, verfügt.
Tja, nun wird es Zeit, sich auf die Rückreise vorzubereiten. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich endlich zu Hause bin. Ja, endlich, denn für mich ist die Reise schon vorbei. Zwei Flüge und eine Übernachtung stehen noch an, bevor ich das ganze Dilemma abschließen kann.

Hallo Volker,
Es sind Gott sei Dank Ausnahmen, dass ich bei einer Reise krank werde. Medikamente waren natürlich dabei und den Rest besorgte ich mir in England.
Ich plane meine Reisen schon seit längerem so, dass auch mal Erholungsphasen dabei sind, nicht zu viel damit man auch spontan auf Situationen reagieren kann. Diese Reise war eben leider etwas überschattet.
Grüße Jürgen
Lieber Jürgen,
zunächst einmal hoffe ich, dass er Dir besser geht! Auch weiterhin wünsche ich gute Besserung!
Mein langes Leben hat mich gelehrt, dass die Erlebnisse, also auch die Aufnahmen, intensiver und besser sind, wenn man sich beschränkt und nicht zu viel in ein Vorhaben hineinpackt. Da ist weniger bestimmt mehr!
Natürlich, Du hast es schon angesprochen, sollte man Medikamente für kommende Möglichkeiten einpacken.
Aber auch ganz wichtig – reise nicht allein! Schon zu Zweit geht man so ein Ungeschick besser an!
Liebe Grüße
Volker